Sie befinden sich auf unserer alten Schulhomepage

Liebe Besucherin, lieber Besucher,

Sie befinden Sie hier auf der alten Version unserer Website, die bis zum 19.11.2017 online war und gepflegt wurde. Seit dem 19.11.2017 finden Sie unsere neue Website unter www.sickingengymnasium.de. Diese (alte) Version unserer Website wird nicht mehr aktualisiert und gepflegt.

Das Autorenteam des SGL

"Die Weibervolksversammlung" - Bericht von Jutta Kühn

Athen 21

 

Aufführung der griechischen Komödie „Die Weibervolksversammlung“ in der Aula des Sickingen- Gymnasiums am 19.9. und 21.9.12

 

„Ich knacke aus Wut die Männer-Mauern!!“ schreit die emanzipierte Athenerin Praxagora (Elena Vasjatkin/ Jessica Enzminger), die die Herrschaft der Männer gründlich leid ist, gleich zu Beginn des Stücks und sie ist, in der Tat, eine Wutbürgerin der ersten Stunde.

Dass die Männer in Athen das Sagen haben, sieht man schon am Bühnenbild; aber an die Macho-Schmierereien an der Stadtmauer (z.B. „Warum gibt es mehr Frauen als Männer? Weil es mehr zu putzen als zu denken gibt!“) scheinen sich die Frauen der Stadt schon gewöhnt zu haben, viel mehr stört sie, dass ihre Göttergatten bei der Staatsführung bisher nur durch schauderhafte Inkompetenz glänzten – Überhaupt seien die Männer im Allgemeinen faul, egoistisch, betrügerisch, zänkisch und (natürlich) dumm; es muss sich endlich etwas tun, die Frau muss ans Steuer! Praxagora initiiert deshalb mit ihren Mitstreiterinnen (Charlotte Ullmert, Jil Nußbaum, Loraine Landau, Ebru Kara, Judith Berger) einen listigen Staatsstreich: Sie unterwandern, amüsant-unbeholfen als Männer verkleidet, die Volksversammlung und übergeben per Handabstimmung sich selbst, den Frauen, die Staatsführung.

 

Und die Männer? Was sagen die dazu? Das starke Geschlecht (Jonas Galm, Manuel Heß) beugt sich zwar selbstverständlich der Autorität der Volksversammlung, aber ganz überzeugt sind sie von den utopischen Zielen der „Frauen-Vernunft“, nämlich Besitzlosigkeit, Gütergemeinschaft, Weibergemeinschaft, Kindergemeinschaft und Frieden („daheim und im Lande!“), nicht, erst als man(n) von dem bevorstehenden Festmahl und dem ab subito geltenden Prinzip der freien Liebe erfährt, schlägt der Funke über...na ja, zumindest in Bezug auf das gratis Essen und die „durchaus unorthodoxe Erotik-Reform“.

Die Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit wird jedoch schnell deutlich: Seinen Besitz der Allgemeinheit überlassen will keiner, zum Festmahl gehen aber jeder, und so sucht der überzeugte Idealist Chremes (Robert Majd) auf tragikomische Weise als Einziger den Ablieferungsplatz;

auch das mit der freien Liebe funktioniert nicht ganz wie geplant: Sämtliche hässlichen alten Vetteln, die Athen zu bieten hat (Ebru Kara, Theresa Perschke, Jutta Kühn) kommen aus ihren Löchern und pochen auf ihr Recht, noch vor dem knackigen jungen Mädchen (Alexandra Laufer/ Louisa Utta) den lüsternen Jüngling (Till Schubert) vernaschen zu dürfen, wovon natürlich weder der noch sein Mädchen begeistert sind. Aber – wie heißt es so schön im Stück –  „Soll denn diese grandiose Idee am Menschen zuschanden gehen? Nein! Sieg!“

 

Nach den eher ernsten Stücken der letzten Jahre wagten sich Frau Marita Groß und Herr Thomas Neukirch mit der „Weibervolksversammlung“ des griechischen Dichters Aristophanes mit einer Vielzahl an neuen jungen Schauspielern nun wieder auf komödiantisches Terrain: Ob fein-ironische Sozialkritik, klassischen Slapstick, Situationskomik und Verkleidungs-Klamauk, zum Brüllen komische Charakterdarstellungen oder einfach nur derb-obszöne Späße (denn die Griechen hatten es faustdick hinter den Ohren!) - Die Theater-AG brachte ihr Publikum, trotz des stark politisch geprägten Handlungshintergrunds, immer wieder amüsant kommentiert von einem sich langsam emanzipierenden Chor (Angelina Krupp, Adda Haen, Sophie Steidel, Denise Rieth, Britta Wagner) ordentlich zum Lachen - und vielleicht auch zum Nachdenken.

Denn überraschend progressiv sind die Denkansätze Aristophanes', entwickelt er doch nicht nur ein früh-kommunistisches Gesellschaftsmodell, nein, er lässt seine Protagonistinnen gleichzeitig auch eine 100%-ige Frauen-Quote einführen (und das ca. 392 v.Chr.)!

Ob das, was der griechische Dichter als eher scherzhaften Lösungsvorschlag für soziale und politische Probleme seiner Zeit schrieb, auch im Athen des 21. Jahrhunderts noch brauchbar sein könnte?

Sollte man(n) bei der derzeitigen Krise in Griechenland einfach mal die Frauen machen lassen...?

 

 

Jutta Kühn, MSS 13